Die Wärmebank fürs Zuhause: Salzhydrat-Sitzmöbel als unsichtbare Wärmespeicher für lange, gemütliche Abende

Die Wärmebank fürs Zuhause: Salzhydrat-Sitzmöbel als unsichtbare Wärmespeicher für lange, gemütliche Abende

Warum ist es abends oft zu kühl, obwohl die PV tagsüber Überschüsse liefert? Und wie lässt sich ohne sichtbare Heizkörper ein behaglicher Wärmeplatz im Wohnzimmer, Flur oder Schlafzimmer schaffen? Die Antwort ist ungewöhnlich und kaum verbreitet: eine Salzhydrat-Wärmespeicherbank – ein Sitzmöbel, das tagsüber Wärme „lädt“ und sie abends als milde Strahlungswärme abgibt.

Was ist eine Salzhydrat-Wärmespeicherbank?

Es handelt sich um eine Sitzbank oder ein Lowboard mit integrierten PCM-Modulen (Phase-Change-Material) auf Basis von Salzhydraten. Beim Laden wird das Material geschmolzen und speichert dabei große Mengen latenter Wärme. Beim Abkühlen kristallisiert es wieder und gibt Energie konstant auf einem angenehmen Temperaturniveau von 27 bis 33 °C ab. Ideal für Salon und Wohnzimmer, Schlafzimmer-Fußbank, Flur-Sitzbank, Wintergarten oder Leseecke.

Wirkprinzip in 3 Punkten

  • Latente Wärmespeicherung: Im Gegensatz zu Betonmasse speichert PCM beim Schmelzen große Energiemengen ohne große Temperaturänderung.
  • Passgenaue Komforttemperatur: Salzhydrate wie Calciumchlorid-Hexahydrat haben einen Phasenwechselpunkt um 29 bis 30 °C – ideal für fühlbar warme Oberflächen.
  • Energie zeitversetzt nutzen: Tagsüber mit PV- oder Niedrigtarifstrom laden, abends als Strahlungswärme genießen.

Aufbau der Wärmebank

  • Gehäuse: Holzrahmen (z. B. Eiche oder Birke Multiplex), belüftete Basis, abnehmbare Sitzfläche mit Polster.
  • PCM-Module: Dicht verschweißte Beutel oder Kartuschen mit CaCl2·6H2O oder eutektischem Salzgemisch, optional mit Verdickern gegen Entmischung.
  • Wärmetauscher: Aluminium-Lamellen oder Finnenplatten für schnelle Beladung und gleichmäßige Abgabe.
  • Ladeheizung: 24 V Niedervolt-Heizmatten oder Rohrregister, ideal für PV-DC-Kopplung. Thermostat mit Fühler.
  • Oberfläche: Holz oder Steinauflage; Unterseite mit weichen Füßen und Luftspalt zur Bodenentkopplung.

Dimensionierung und Leistung

Typische PCM-Kennwerte für CaCl2·6H2O:

  • Phasenwechseltemperatur: etwa 29 bis 30 °C
  • Latente Wärme: etwa 170 bis 190 kJ pro kg
  • Praktische Energiedichte im Möbel: etwa 45 bis 60 Wh pro kg PCM
Modell Abmessung PCM-Masse Speicherenergie Typische Abgabezeit Empfohlene Ladeleistung
S 90 x 40 x 45 cm 20 kg 1.0 bis 1.2 kWh 4 bis 6 h bei 150 W 200 W
M 120 x 40 x 45 cm 35 kg 1.6 bis 2.1 kWh 6 bis 8 h bei 200 bis 250 W 300 bis 350 W
L 150 x 45 x 48 cm 50 kg 2.5 bis 3.0 kWh 8 bis 10 h bei 250 bis 300 W 400 bis 500 W

Rechenbeispiel: 35 kg PCM mit 180 kJ pro kg speichern etwa 6.3 MJ, also rund 1.75 kWh. Mit 350 W Ladeleistung ist die Bank in etwa 5 Stunden voll geladen.

Wo macht die Wärmebank den größten Unterschied?

  • Salon und Wohnzimmer: Behagliche Sitzzone an bodentiefen Fenstern oder neben der Couch.
  • Schlafzimmer: Fußbank am Bett, die über Abendstunden sanfte Wärme abgibt, ohne Luft auszutrocknen.
  • Flur und Vorraum: Sitzbank zum Schuhe binden, die den kühlen Eingangsbereich entdramatisiert.
  • Kinderzimmer: Warme Leseecke mit begrenzter Obertemperatur für Sicherheit.
  • Homeoffice: Punktuelle Wärme am Schreibtisch statt den ganzen Raum zu überheizen.

Fallstudie: Altbau-Wohnzimmer 22 m²

  • Setup: Modell M, 35 kg PCM, 350 W Ladematte, smarte Steckdose mit Thermostat.
  • Betrieb: Ladung 11 bis 16 Uhr aus 600 W Balkon-PV, Ziel 31 °C Oberflächentemperatur.
  • Ergebnis Winter:
    • Abgabe 180 bis 220 W für 6.5 Stunden ab 18 Uhr.
    • Raumlufttemperatur 0.8 K niedriger bei gleicher Behaglichkeit durch Strahlungswärme.
    • Elektrische Netzbezugskosten minus 14 Prozent, da Abendlasten verschoben werden.

DIY-Bauanleitung

Materialliste

  • Gehäusebausatz oder Eigenbau aus 18 mm Multiplex, Kanten geölt.
  • PCM-Module, insgesamt 20 bis 50 kg je nach Größe, Schmelzpunkt um 29 bis 30 °C.
  • Aluminium-Lamellenplatten oder U-Profile als Wärmetauscher.
  • 24 V Heizmatte oder Heizelemente, 200 bis 500 W, mit Thermostat und Fühler.
  • Isolationsmatte nach unten, zum Beispiel Aerogel- oder Korkplatten 10 mm.
  • Temperaturbegrenzer bimetallisch 45 °C, Sicherung 10 A DC, Kabel 2.5 mm².
  • Abwaschbares Polster oder Holzsitzfläche, Abstandshalter für Luftspalt.

Schritt für Schritt

  1. Gehäuse verschrauben und die Unterseite mit Isolationsmatte bekleben.
  2. Wärmetauscher einsetzen und mechanisch mit dem PCM-Bereich koppeln.
  3. PCM-Module dicht und flächig einlegen, Hohlräume vermeiden, Druckpunkte abpolstern.
  4. Heizmatte oberhalb der PCM-Module verlegen, Fühler mittig platzieren, Verdrahtung anschließen.
  5. Temperaturbegrenzer und Sicherung in Reihe schalten, Testlauf mit 30 Minuten bei 24 V.
  6. Sitzfläche montieren, Oberflächentemperatur auf maximal 33 °C einstellen.

Bauzeit etwa 3 Stunden, Materialkosten je nach Größe ungefähr 320 bis 680 Euro.

Integration ins Smart Home

  • Zeitfenster: Laden zwischen 10 und 16 Uhr, je nach Solarprognose.
  • Regelung: Zieltemperatur 31 bis 32 °C, Sicherheitslimit 45 °C.
  • Automationen: Ladefreigabe nur bei PV-Überschuss oder Niedrigtarif.
  • Sensorik: Oberflächentemperatursensor und Raumthermometer für Komfortregelung.

Sicherheit, Pflege, Alltagstauglichkeit

  • Dichtheit: Nur geschlossene PCM-Module verwenden; robustes Gehäuse verhindert Beschädigung.
  • Materialverträglichkeit: Salzhydrate sind in Modulen eingeschlossen; Metalle im Inneren korrosionsgeschützt wählen.
  • Oberflächen: Abwischbar, keine scharfen Reiniger. Polster mit Reißverschluss und waschbar.
  • Temperatur: Oberflächentemperatur unter 45 °C begrenzen; Kinder- und Haustierfreundlich.

Pro und Contra

Aspekt Pro Contra
Komfort Sanfte Strahlungswärme, keine Zugluft Keine schnelle Raumaufheizung wie bei Konvektoren
Energie PV-Überschussnutzung, Lastverschiebung Ladeverluste 5 bis 12 Prozent je nach Aufbau
Design Möbel statt Heizkörper Gewicht höher als bei normaler Bank
DIY 24 V SELV, handwerklich gut machbar Saubere Integration der Elektrik nötig
Kosten Keine aufwendige Installation PCM-Module teurer als Holzfüllungen

Nachhaltigkeit und Ökobilanz

  • Langlebigkeit: Über 3.000 Zyklen ohne nennenswerte Kapazitätseinbußen möglich.
  • Material: Wiederverwendbare Module, Möbelschraubsysteme für einfachen Austausch.
  • CO2-Effekt: Reduziert Netzlast in Spitzenzeiten, verbessert Nutzung von Solarstrom im Haus.

Stil und Integration in verschiedene Wohnstile

  • Skandinavisch: Helles Holz, sichtbare Lamellenfront, Wollkissen in Naturtönen.
  • Industrial: Geschwärzter Stahlrahmen, dunkles Holz, sichtbare Schrauben.
  • Minimalistisch: Grifflose Klappen, matte Lackierung, schwebende Montage optisch.
  • Boho: Rattanauflage, gemusterte Kissen, Pflanzen darüber als grüne Bühne.

Zukunft: Adaptive PCMs und 3D-Wärmetauscher

  • Adaptive Schmelzpunkte: Mischungen für 26, 29 oder 33 °C je nach Nutzungsprofil.
  • 3D-gedruckte Heat-Sinks: Bessere Ladegeschwindigkeit und Abgabe mit minimalem Materialeinsatz.
  • Direktbetrieb mit PV-DC: 24 bis 48 V DC-Bus, verlustarme, netzunabhängige Beladung.

Fazit: Möbel, die Wärme können

Eine Salzhydrat-Wärmespeicherbank vereint Komfort, Design und Energieeffizienz in einem Bauteil. Statt die ganze Wohnung hochzuheizen, schaffen Sie dort Behaglichkeit, wo Sie sitzen, lesen oder arbeiten. Starten Sie klein mit einem Modell S im Flur oder planen Sie im Wohnzimmer ein Modell M mit PV-Überschussladung. Wer die Bank smart steuert und auf 31 bis 32 °C begrenzt, bekommt jeden Abend spürbar gemütliche Wärme – und entlastet zugleich das Stromnetz.

CTA: Planen Sie Ihre Wärmebank: Raumgröße messen, PCM-Masse wählen, 24 V Ladeleistung festlegen und die Oberfläche passend zu Ihrem Einrichtungsstil auswählen.